· 

Der Gipel der Selbstüberschätzung: Berg Nemrut

So hatte sich das König Antiochos I. wohl nicht vorgestellt. Die beeindruckenden Steinstatuen auf dem Gipfel des südtürkischen Bergs Nemrut sollten eine Kultstätte werden, um einer neuen Religion mit hellenistischen und persischen Elementen, vor allem aber mit ihm als oberster Gottheit zu huldigen. In zwei langen griechischen Inschriften legte Antiochos fest, wie ihn das Volk zu Lebzeiten und nach seinem Tod zu verehren habe. Das Volk sah das allerdings wohl etwas anders. Die Historiker gehen davon aus, dass die Stätte nie ganz fertiggestellt und schon gar nicht für irgendwelche spirituellen Zwecke genutzt wurde. Berg Nemrut wurde also, wenn man so will, zum Gipfel der Selbstüberschätzung für seine Gottheit Antiochos.

 

Heute sind die mannshohen Figuren und Steinreliefs nach Jahrtausenden von Witterung, Erdbeben und menschlichem Eingriff in ziemlich durcheinandergewürfelter Anordnung zu besichtigen. Aber auch ohne göttliche Verehrung sind sie ein beeindruckendes Zeugnis vorchristlicher Handwerkskunst. Und sie sind ein grandioses Fotomotiv. Vorausschauenderweise hatte Antiochos seine Gedenkstätte mit einer Ost- und einer Westterrasse anlegen lassen. Damit gibt es sowohl bei Sonnenauf- als auch bei Sonnenuntergang ein wundervolles Licht. Je nach persönlicher Neigung (wir gehören eher zu den Langschläfern). Auch wenn es sicher nicht das ist, was sich König Antiochios vorgestellt hat: Aber heute ist er sicher in seiner steinernen Ausprägung eines der meistfotografierten Motive der Türkei. Auch eine Art Verehrung, oder?