In Vilnius steht das weltweit einzige Denkmal für Frank Zappa – und das ist alles andere als naheliegend. Der US-Rocker hat die litauische Hauptstadt nämlich nie betreten, geschweige denn eine besondere Verbindung zu ihr. Genau genommen hatte er gar keine. Die Büste stammt von einem litauischen Künstler, der Zappa einige Jahre zuvor in den USA kennengelernt hatte. Nach der Unabhängigkeit bot sich den Litauern erstmals nach Jahrzehnten der Sowjetdiktatur die Gelegenheit, auch einem so unkonventionellen US-Freigeist wie Zappa ein Denkmal zu setzen – und Vilnius griff zu. Es war, wenn man so will, ein weiteres Zeichen der Liberalität der Stadt, die sich wie ein roter Faden durch ihre Geschichte zieht. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert galt Vilnius mit rund 50 christlichen Kirchen als „Rom des Ostens“ und war zugleich ein bedeutendes Zentrum des jüdischen Lebens. Vor dem Zweiten Weltkrieg stellten Juden etwa 40 Prozent der Stadtbevölkerung - bis die Deutschen kamen.
Ein Großteil der Juden floh aus Vilnius oder wurde während des Holocaust getötet. Das vermutlich dunkelsten Kapitel der Stadtgeschichte. Auch hier zeigte sich aber das liberale Vilnius. Im Stadtviertel Užupis, das vor dem Krieg mehrheitlich von Juden bewohnt war und danach zunehmend verkam, quartierten sich nach der Unabhängigkeit Künstler und Freigeister ein. Sie riefen die "Freie Republik Užupis" aus. Mit einer eigenen Verfassung, die mit den schönen Worten endet: "Besiege nicht. Wehre dich nicht. Gibt nicht auf." Heute ist das bunte Viertel mit Graffitis, Kunstausstellungen und lockeren Freiluftkneipen ein beliebtes Szeneviertel. Vilnius zeigt sich hier auch heute noch von seiner liberalen Seite. In jedem Fall ein entspannter Ort für ein paar entspannte Tage in einer entspannten Stadt.











