Nach einer Stadt der Revoluzzer sieht Danzig so ganz und gar nicht aus. Stattlich und feist präsentiert sich die polnische Hafenstadt. Wer die Langgasse zum Goldenen Tor entlangläuft, zwischen all den reich verzierten Patrizierhäusern, dem hochaufragenden Rathausturm und den stolzen Befestigungstoren, erahnt, welchen Wohlstand der Ostseehandel dieser Stadt früher gebracht hat. Natürlich ist vieles davon heute restauriert. Die Danziger Innenstadt wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt. Zu sehen ist davon heute nichts mehr. Ebenso wenig wie von der Zeit der Solidarność-Revolution Anfang der 80er Jahre. Denn Danzig war auch die Keimzelle des Widerstands gegen die Sowjet-Herrschaft in Osteuropa. Hier gingen die Werftarbeiter auf die Barrikaden gegen die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen in der damaligen Volksrepublik Polen - eine Protestbewegung, die sich rasant in der ganzen Region ausbreitete und letztlich im Zusammenbruch der Sowjetunion mündete. Was für eine Stadt, was für eine Geschichte.
An die Solidarność-Gründung erinnert heute nur noch ein recht gut gemachtes Museum, das direkt an der Danziger Werft errichtet wurde. Das alte Werkstor 2, an dem Gewerkschafts-Gründer Lech Wałęsa und seine Mitstreiter ihre Forderungen proklamierten, ist noch im Original zu sehen. Im Museum dahinter erfährt man, wie massiv die damalige kommunistische Führung versuchte, die Bewegung zu unterdrücken - letztlich erfolglos. Umso bitterer die weitere Entwicklung. Der spätere Staatspräsident und Friedensnobelpreisträger Wałęsa unterlag bereits bei den Wahlen 1995 einem postkommunistischen Herausforderer. Heute unterstützt ein großer Teil der Solidarność-Mitglieder die rechtskonservative PIS-Partei - und untergräbt damit demokratische Werte, die die Gründer der Bewegung unter Einsatz ihres Lebens erkämpft hatten.
Auf den Straßen und Plätzen Danzigs merkt man davon freilich wenig. Die Stadt ist immer noch ein wichtiger Ostseehafen. Die modernen Container-Kräne ragen massiv auf, auch direkt vor dem Stadtstrand Stogi, an dem sich an sonnigen Wochenenden tausende Badegäste drängeln. Wer den Fehler macht, zur falschen Zeit beispielsweise mit einem Wohnmobil in Strandnähe zu fahren (ähöm...), braucht schon mal eine knappe Stunde für 900 Meter. Trotz - oder gerade wegen - ihrer bewegten Geschichte ist die Stadt Danzig aber auf jeden Fall einen Besuch wert. Vielleicht auch noch einen zweiten ...









